exogram

  • Peer Hunsicker

Ein Apartmentkomplex der 70er Jahre. Ich stehe auf dem Parkplatz im Hinterhof und schaue nach oben in die formal-grafische Struktur, auf das Flächendesign der Fassade im Dachbereich. Mache eine Belichtung mit halber Zeit, stoppe den Filmtransport mit dem kleinen, speziellen Hebel der Nikon F3 und habe so die Kamera zu einer weiteren Auslösung gespannt. Nun drehe ich die Kamera um 180 Grad und belichte, wieder mit halber Zeit, den annähernd gleichen Bildausschnitt. So entsteht hier eine Doppelbelichtung aus grundsätzlich nur zwei Bildelementen. Dem Gebäude mit seinen scharf gezogenen Konturen und den Wolkenformationen am Himmel, die sich in transparenter Gestaltung und in starkem Kontrast zum Zick-Zack der architektonischen Konturlinien nebelartig darüberlegen. Aus diesem Gestaltungsschritt entsteht ein abstraktes Symbol: ein EXOGRAM*. Durch die Doppelbelichtung und der unüblichen Verdichtung des Negativs sind im Abzug keine reinen Weisstöne zu erzielen. Doch es entstanden viele, fein abgestufte Grauwerte, die das Bild, durch die Technik der Doppelbelichtung, der Reduzierung der Bildelemente und der aus grafischen Gründen gefällten Motivauswahl in einem individuellen, subjektiven Bildstil erscheinen lassen. Es ist die visuelle Manifestation der eindrücklich phantastischen Bildsprache der Science Fiction der 70er Jahre. Diese visuelle Sprache lässt sich auch 40 Jahre später noch fotografisch mit architektonischen Stilelementen dieser vergangenen Zeit in den Innenstädten nachinszenieren. * "unlike the constantly-moving contents of biological working memory, the products of thinking, when reformatted exogrammatically, could be frozen in time, held up to scrutiny at some future date, altered and re-entered into storage" (Donald 1991, p. 316). Just as in offloading both information and procedures into external technologies and social systems we thereby reconfigure our cognitive tasks and profiles, so in constructing elaborate inner machines for sedimenting and working with affectively laden images and thoughts, the memory artists gradually developed different cognitive skills. Sutton, p. 212 https://philpapers.org/archive/SUTEIA/